Der Mythos, der keiner ist
Ein milliardenschwerer Unternehmer mit starkem Auftritt, Dan Peña, verkündet auf Konferenzen und YouTube-Bühnen eine explosive These: Wenn die Welt erfährt, wer Bitcoin wirklich erschaffen hat, kracht der Kurs auf null. Nicht wegen der Technik, sagt er. Nicht wegen Mathematik. Sondern wegen zerbrechendem Glauben.
Und ja – Peña meint das ernst. Für ihn gilt: Alles, was langfristig Bestand haben soll, muss eine identifizierbare Macht hinter sich wissen. Vertrauen – so sein Menschenbild – entsteht durch Kontrolle, Dominanz, Durchsetzungskraft. Und genau das – so sein Argument – fehlt bei Bitcoin. Zu anonym, zu ungeklärt, zu „luftig“. Keine staatliche Absicherung. Keine Autorität. Keine Verantwortung. Nur: ein Mythos von Neutralität, gespeist aus einem Code, geschrieben von einem Unbekannten.
Was ist Wahrheit – und was Projektion?
Klingt nachvollziehbar – ist aber nur ein Teil der Geschichte. Denn Peña spricht weniger über Bitcoin als über seine Weltsicht. Für ihn ist Dezentralität ein leeres Versprechen. Weil sie keinem Chef untersteht. Und weil sie sich – aus seiner Perspektive – nicht durchsetzen lässt. Ohne Durchsetzung keine Ordnung. Ohne Ordnung keine Dauer. Ohne Dauer kein Vertrauen.
Kurz: Wer an Dezentralität glaubt, glaubt für Peña an Magie. Und Magie ist schnell vorbei, wenn der Vorhang fällt.
Doch hier beginnt die eigentliche Frage:
Ist Glaube an Dezentralität wirklich gleichbedeutend mit Illusion? Oder nur ungewohnt – für Menschen, die nur Hierarchie kennen?
Dezentralität: sichtbar, nicht spirituell
Bitcoin – und viele andere Blockchains wie Infinity-Economics (IE) – beruhen nicht auf Märchen, sondern auf überprüfbaren Mechanismen:
Der Code ist öffentlich.
Die Regeln sind klar.
Die Nodes sind weltweit verteilt.
Es gibt keine zentrale Instanz, die alles entscheidet.
Und: Es gibt niemanden, der etwas „durchsetzt“ – ausser dem Konsens aller Beteiligten.
Was sich mathematisch prüfen lässt, ist kein Mythos. Es ist nur anders, als es Peña kennt.
Was wirklich auf Glaube basiert – und was nicht
Denn was Peña nicht erwähnt: Auch unser aktuelles Geldsystem basiert auf Glaube – allerdings einem ganz anderen. Fiat-Geld vertraut auf:
politische Versprechen
institutionelle Autorität
Verschuldung als Normalzustand
und den regelmässigen Bruch alter Zusagen
Mit anderen Worten: Fiat verlangt blinden Glauben an Protagonisten. Native Blockchains dagegen verlangen nachvollziehbares Vertrauen in Regeln.
Ein kleiner, aber fundamentaler Unterschied.
Systembruch – nicht Systemsturz
Wer meint, native Blockchains wie Bitcoin oder Infinity-Economics seien gegen den Staat gerichtet, missversteht das Konzept. Sie sind kein Angriff, sondern ein alternatives Angebot. Freiwillig, offen, ohne Zwang. Ihr Ziel ist nicht, Kontrolle zu übernehmen, sondern Kontrolle unnötig zu machen.
Sie sagen nicht: „Wir ersetzen den Staat.“
Sondern: „Du darfst mitmachen – aber musst nicht.“
Kein Wunder, dass Menschen wie Peña damit Mühe haben. In einer Welt, in der Macht gleich Bedeutung ist, wirkt etwas ohne Chef wie ein schlechter Witz.
Machtlogik trifft auf Freiwilligkeit
Dan Peña denkt in bekannten Mustern:
Wer führt?
Wer gewinnt?
Wer setzt durch?
Er lebt in einem Weltbild der Hierarchie – und das darf er auch. Nur: Seine These zur Bitcoin-Zerstörung ist keine Analyse. Es ist eine Projektion.
Er kann sich schlicht nicht vorstellen, dass:
ehrliche
friedliche
gemeinschaftliche Menschen
etwas Grosses erschaffen, das funktioniert – ohne Befehlskette, ohne Hinterzimmer, ohne zentrale Macht.
Wenn der Name fällt – und nichts passiert?
Und selbst wenn morgen rauskommt, dass Satoshi Nakamoto ein alter Banker ist, ein Freak aus dem Untergrund oder ein Algorithmus aus einem Unilabor – was genau ändert das am Code?
Was, wenn niemand gehorchen muss, damit die Regeln trotzdem gelten?
Dann ist der Glaube gar nicht zerbrochen. Sondern bloss die Projektion.
Pointe
Wer nur an Macht glaubt, erkennt Freiheit nicht – selbst wenn sie funktioniert.

