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Nicht wer Du bist – sondern was Du darfst

30.01.2026

Schoepi

Eintritt bitte – aber erst die Seele scannen?

Du willst an etwas teilnehmen. Ein Event, ein Online-Zugang, eine Abstimmung, ein geschützter Bereich. Nichts Weltbewegendes. Und doch beginnt es wie immer gleich: Formular, Ausweiskopie, Geburtsdatum, Adresse, manchmal ein Selfie aus drei Winkeln.
Nicht, weil Du etwas Verbotenes tun willst – sondern weil Du etwas Dürfen willst.

Irgendwo auf dem Weg vom Türöffnen zur Datensammlung ist etwas verrutscht. Denn die eigentliche Frage wäre doch simpel:
Bist Du berechtigt?
Stattdessen lautet sie fast immer: Wer bist Du – und bitte möglichst genau.

Das ist bequem für Systeme. Für Menschen eher nicht.

KYC – ein altes Denkmuster mit viel Gedächtnis

KYC, „Know Your Customer“, ist historisch gewachsen. Banken, Verwaltungen, Plattformen – sie alle wollten Sicherheit. Also sammelte man Identitäten. Viel davon. Zentral, dauerhaft, wiederverwendbar.
Identität wurde zur Eintrittskarte für alles: zahlen, abstimmen, teilnehmen, zugreifen.

Das Problem ist nicht die Absicht. Es ist die Wirkung.
Wer Identität als Schlüssel nutzt, muss sie immer wieder vorzeigen. Und wer sie speichert, häuft Verantwortung an – und Risiken. Datenschatten entstehen, Profile wachsen, Vertrauen wird durch Kontrolle ersetzt. Nicht aus Bosheit, sondern aus Gewohnheit.

KYC ist nicht falsch. Es ist nur zu oft das einzige Werkzeug im Kasten.

Der Perspektivwechsel: KYR

KYR – Know Your Rights – dreht die Frage um.
Nicht: Wer bist Du?
Sondern: Was darfst Du?

Stell Dir das bildhaft vor:
Ein Schlüssel statt eines Ausweises.
Eine Eintrittskarte statt eines Lebenslaufs.
Ein Stempel, der sagt: „Zutritt erlaubt“, ohne Deine ganze Geschichte zu erzählen.

KYR prüft Berechtigungen, nicht Persönlichkeiten. Es interessiert sich für Rechte, Rollen und Zugänge – nicht für Namen, Adressen oder Gesichter. Und genau darin liegt der Paradigmenwechsel.

KYR im IE-Ökosystem – ganz ohne Techniksprech

Im Infinity-Economics-Umfeld wird diese Idee greifbar. Nicht als Theorie, sondern als Alltagspraxis.
Du willst an einer DAO-Abstimmung teilnehmen? Dann zählt, ob Du stimmberechtigt bist – nicht, wie Du heisst.
Du möchtest auf einen geschützten Bereich zugreifen? Entscheidend ist, ob Du die passende Berechtigung hast – nicht, wo Du wohnst.
Akkreditierungen, Service-Zugriffe, Teilnahmen: Alles lässt sich prüfen, ohne Identitäten zu sammeln.

Das ieTrustCenter dient dabei als Vertrauensrahmen. Nicht als Überwachungsstelle, sondern als ruhiger Schiedsrichter im Hintergrund. Es bestätigt Rechte – ohne Menschen zu entblössen.

Ein Ort statt viele Kopien – Datenhoheit statt Datentourismus

Ein oft übersehener Punkt liegt dort, wo KYC im Alltag besonders unangenehm wird: bei der Speicherung der Daten.
Jedes Mal, wenn Du Dich identifizierst, wandern Deine persönlichen Informationen an einen neuen Ort. Bank hier, Plattform dort, Dienstleister dazwischen. Jedes System speichert für sich, oft dauerhaft, oft mehrfach. Nicht, weil es böse will – sondern weil es so gebaut ist.

Das Ergebnis: Deine geprüften Daten existieren nicht einmal, sondern viele Male. Verteilt auf unterschiedliche Datenbanken, mit unterschiedlichen Sicherheitsniveaus, Zugriffsrechten und Lebensdauern. Je öfter Du Dich ausweisen musst, desto grösser wird Dein digitaler Fussabdruck – und damit auch die Angriffsfläche für Missbrauch, Fehler oder Leaks.

KYR denkt auch hier anders.
Die geprüften persönlichen Daten liegen nicht verstreut, sondern an einem einzigen Ort, unter Deiner Kontrolle. Sie werden nicht kopiert, weitergereicht oder neu abgelegt, sondern bleiben dort, wo sie hingehören: beim Inhaber der Daten selbst.

Das System prüft nicht die Daten, sondern das Ergebnis der Prüfung.
Statt Deine Informationen immer wieder weiterzugeben, wird lediglich bestätigt: Diese Berechtigung ist gültig. Mehr nicht.

So wird aus Datensammlung Datenhoheit.
Aus vielen unsicheren Kopien ein kontrollierter Ursprung.
Und aus dem Gefühl, ständig etwas preisgeben zu müssen, die Gewissheit: Du entscheidest, wann, wofür und in welchem Umfang etwas sichtbar wird.

KYR reduziert nicht Verantwortung – aber es reduziert unnötige Verbreitung. Und manchmal ist genau das der Unterschied zwischen Vertrauen und Bauchweh.

Freiheit durch begrenzte Offenlegung

Datenschutz ist hier keine Zusatzfunktion. Er ist eine Nebenwirkung guter Architektur.
Wenn Systeme nur das prüfen, was nötig ist, bleibt der Rest privat. Vertrauen entsteht nicht durch Dauerbeobachtung, sondern durch klare Regeln und saubere Trennung.

KYR schützt nicht vor Verantwortung. Wer Rechte hat, trägt sie auch.
Aber es schützt vor unnötiger Offenlegung. Vor dem Gefühl, immer mehr von sich preiszugeben, nur um mitmachen zu dürfen.

Selbstbestimmung beginnt dort, wo Du entscheiden kannst, was Du zeigst – und was nicht.

KYR und KYC – kein Entweder-oder

Wichtig ist: KYR ersetzt KYC nicht pauschal. Es ordnet es ein.
Es gibt Situationen, in denen Identität relevant ist. Verträge, rechtliche Verpflichtungen, spezielle Prüfungen. Dort hat KYC seinen Platz.

Der Unterschied ist die Haltung:

  • KYC fragt: Wer ist jemand?
  • KYR fragt: Was darf jemand?

Beides kann freiwillig, situationsabhängig und kombinierbar sein. Aber nicht automatisch, nicht immer und nicht alles auf einmal.

IE 2.0 – eine leise Pointe

Freiheit entsteht nicht durch Anonymität allein.
Sie entsteht durch kontrollierte Offenlegung auf Augenhöhe.

IE 2.0 steht für ein System, in dem Vertrauen bewiesen wird – nicht erzwungen.
In dem Berechtigungen genügen, wo Identitäten überflüssig sind.
Und in dem Du nicht mehr bist als das, was Du teilen willst – aber auch nicht weniger als das, was Dir zusteht.

Manchmal reicht ein Schlüssel. Der Ausweis kann zuhause bleiben.


Im Blogartikel Digitale Souveränität: Warum wir aufhören müssen, nach dem Ausweis zu fragen wird diese Perspektive weiter vertieft.

Du hast Deine eigene ieStory?
Teile sie mit uns – als fertige Geschichte oder als Thema, das es verdient, erzählt zu werden.
Hauptsache: Es hat mit Blockchain zu tun – am besten mit Infinity-Economics.
Unter iecommunity.net/iestorys siehst Du, was eine ieStory ausmacht.
Schreib uns Deine Idee unten per Kommentar oder direkt an ieStory@ie-community.ch.
Vielleicht – wer weiss – erscheint Deine Geschichte schon bald hier.

Weil gute Storys gehört werden sollten.

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